Startseite / Stadtleben / Öffentliches Leben: Infopunkt
Die Sommerbergbahn ist gerettet! Bad Wildbad jubelt über Zuschusszusage
Die Sanierung ist mit 6,5 Mio. € kalkuliert, die Restsumme von 2,5 Mio. € wird die Stadt teils mit eigenen Mitteln aus dem Eigenbetrieb Sommerbergbahn, teils über eine Kreditaufnahme finanzieren. Bürgermeister Klaus Mack: „Mit dieser hohen Zuschusssumme ist es uns möglich, die verbleibenden Eigenmittel aufzubringen. Ich bedanke mich bei allen, die uns unterstützt haben, besonders der Landesregierung, dem Regierungspräsidenten, unseren Landtagsabgeordneten und unserem Landrat. Heute ist ein guter Tag für Bad Wildbad und die Region Nordschwarzwald“.
Im Herbst 2009 erhielt die Stadt Bad Wildbad vom Regierungspräsidium Freiburg, Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau den endgültigen Bericht über die technische Aufsichtsprüfung der Sommerbergbahn. Darin war vermerkt, dass die Sommerbergbahn einer Komplettrevision unterzogen werden muss. Die Wagen und die Technik der Bahn seien zu erneuern, das Gleisbett sei instand zu setzen und man müsse neue Schienen verlegen. Die Betriebserlaubnis endet laut Behörde am 30.11.2010, eine neue Erlaubnis wird nur in Aussicht gestellt, wenn alle Auflagen erfüllt werden. Die Kosten für diese Maßnahmen wurden mit 6,5 Mio. € kalkuliert. Eine Summe, die die Stadt Bad Wildbad bei weitem überfordert. Die Stadt hatte daher alle Hebel in Bewegung gesetzt, um eine möglichst hohe Hilfe des Landes zu erhalten. Andernfalls wäre der Betrieb der Bahn nicht mehr möglich gewesen. Ein Wahrzeichen Bad Wildbads und der gesamten Region Nordschwarzwald hätte stillgelegt werden müssen.
Zugute kam der Stadt das Sonderprogramm „Nachhaltige Tourismusinfrastruktur“. Dieses Programm ist ein Ausfluss des Konjunkturpaketes und lässt Sanierungen zu, was in den regulären Programmen ausgeschlossen ist. Mit Hochdruck wurde an der Beantragung gearbeitet. Die erste Hürde war erreicht, als der Wirtschaftsminister Anfang Juni 2010 die Summe von 2.152.109 € zusagte. „Fast 4,5 Mio. € an Eigenmitteln zu finanzieren, wäre für die Stadt nicht möglich gewesen“, so der Bürgermeister. Daher wurde bereits Anfang des Jahres ein Antrag auf einen weiteren Zuschuss aus dem Ausgleichstock für finanzschwache Kommunen gestellt. Das Regierungspräsidium Karlsruhe entschied heute Nachmittag über diesen Antrag und bewilligte weitere 1,85 Mio. €. Somit beläuft sich der Eigenanteil der Stadt auf ca. 2,5 Mio. €. Dieser Eigenanteil wird durch eigene Mittel des Eigenbetriebs Sommerbergbahn und durch eine Kreditaufnahme finanziert. „Die Kreditfinanzierungskosten werden über einen erhöhten Fahrpreis refinanziert“, so Klaus Mack. Nach der Sanierung müssen sich die Nutzer deshalb auf höhere Fahrpreise einstellen. „Doch das akzeptieren wir gerne. Eine Schließung wäre für die Stadt ein Desaster gewesen“.
Jetzt gilt es, zügig weiterzuarbeiten. „Die Mittel aus dem Konjunkturpaket müssen bis Ende August 2011 verbaut sein“, so der Bürgermeister. „Ein ehrgeiziger Zeitplan“. Die Planung wurde durch das Schweizer Büro Schönholzer bereits parallel erarbeitet. Der Gemeinderat hat in seiner gestrigen Sitzung einen Projektsteuerer eingesetzt, um eine rasche Abwicklung des Projektes zu gewährleisten. Für Anfang August ist trotz Ferienzeit eine Sondersitzung des Gemeinderats geplant. Dann wird „grünes Licht“ für die Baumaßnahme gegeben, ein Nachtrag des Wirtschaftsplanes muss beschlossen werden.
Für die Sanierung der Sommerbergbahn sprechen viele Gründe:
- Die Stadt Bad Wildbad hat zur Verbesserung der touristischen Situation gemeinsam mit dem Land Baden-Württemberg eine „Tourismusstudie für das Heilbad Bad Wildbad“ in Auftrag gegeben. Wesentliche Einrichtungen der Stadt befinden sich – historisch bedingt - im Besitz des Landes Baden-Württemberg: die beiden Thermal-Bäder „Vital-Therme“ und „Fürstenbad Palais Thermal“, der Kurpark sowie die Veranstaltungshäuser Kurhaus und Haus des Gastes werden von der Bäder- und Kurbetriebsgesellschaft, einer 100prozentigen Landestochter, vor Ort bewirtschaftet. Ziel von Stadt und Land ist es, die Infrastruktur und die Angebote im Tourismus zukunftsfähig zu gestalten. Gleichzeitig sollen die städtische Tourismus GmbH und die Bäder- und Kurbetriebsgesellschaft des Landes in ihren Strukturen überprüft werden. Die Studie wurde im Februar 2010 fertiggestellt. Stadt und Finanzministerium arbeiten aktuell an einer Umsetzung. Eine Schließung der Bahn wäre diesen Bemühungen zuwider gelaufen.
- Auf dem Sommerberg entsteht derzeit ein Ausflugslokal mit großem Biergarten. Bauherr und Investor ist der Pforzheimer Unternehmer Herbert Richter. Das Projekt ist Teil des Entwicklungskonzeptes Sommerberg, das unter anderem auch den Verleih von Elektrobikes vorsieht.
- Die Firma Jurinvest Immobilien GmbH aus Frankfurt am Main plant, gemeinsam mit dem erfolgreichen Hotelbetreiber Travel Charme Hotels & Resorts AG mit Sitz in Zürich, die Errichtung eines Vier-Sterne Superior Urlaubshotels. Dazu soll das historische Gebäude „Panoramahotel“ – ein ehemaliges Hotel, grundlegend saniert und umgebaut sowie ein neuer Gebäudekomplex errichtet werden. Das Vier-Sterne Superior-Hotel wird neben einem großzügigen Spa-Bereich über alle Annehmlichkeiten eines Urlaubsdomizils dieser Kategorie verfügen. Die Gesamtinvestition wird mehr als 20 Mio. Euro betragen. Das Hotel umfasst über 116 Zimmer, Tagungsräume und einen großen Spa-Bereich. Die sogenannte Panorama-Station der Sommerbergbahn ist direkt an das Hotel angeschlossen. Durch eine Schließung der Sommerbergbahn wäre dieses Projekt in höchstem Maße gefährdet gewesen.
- Die Sommerbergbahn bringt bislang jährlich bis zu 250.000 Gäste zum Ausgangspunkt des Erholungsgebietes Sommerberg. Die Sommerbergbahn stellt als eine der wenigen Standseilbahnen in Baden-Württemberg eine Besonderheit des Gleisverkehrs und als solches eine touristische Rarität mit konkurrenzlosem Alleinstellungsmerkmal weit über die Region hinaus dar. Sie ist die höchste Standseilbahn in Baden-Württemberg. Das traditionsreiche Schienenfahrzeug feierte 2008 sein hundertjähriges Jubiläum und befördert nunmehr in der dritten Wagengeneration ganzjährig Touristen auf den Sommerberg und zurück.
- Die Bergstation ist der Ausgangspunkt zur Erschließung der „Naturgebiets“ Sommerberg mit Hochmooren, Grünhütte, Skihütte, Bikepark, Nordic-Walking-Strecken, Mountainbikestrecken, Skiliften und anderen Ausflugszielen sowie Sport- und Erholungseinrichtungen. In der aktuell erstellten Tourismusstudie von Reppel+Partner wird der Sommerberg als Juwel zur Tourismusentwicklung wesentlich hervorgehoben.
- Seit Herbst 2004 fährt die Stadtbahn in die Innenstadt Bad Wildbads bis in den Kurpark. Aufgrund der herausragenden Stellung des Sommerbergs bzw. der Bergbahnanbindung wurde an der Talstation extra eine barrierefreie Haltestelle ausgebaut. Die S-Bahn bringt täglich bis 2.000 Personen in die Stadt, von denen bis zu 800 (im Durchschnitt 740/Tag) mit der Sommerbergbahn weiterbefördert werden. Es kann wohl auch davon ausgegangen werden, dass gerade die Anbindung an die Sommerbergbahn und den Kurpark der S-Bahn eine wesentliche Erhöhung der Auslastung bringt.
Dem Bürgermeister fiel deshalb heute Nachmittag ein Stein vom Herzen: „Die Sanierung der Sommerbergbahn hatte uns großes Kopfzerbrechen bereitet. Wir freuen uns, dass es jetzt positiv weitergeht. Das ist ein wichtiges Signal an alle privaten Investoren in der Stadt“.
Nachricht vom: 22.07.2010


Aktuelle Informationen aus dem Öffentlichen Leben werden in der Regel im 

